Egal, ob in Form einer Spaceshuttlekachel, als Scheibenbremse im neuen Porsche oder bei hochsensiblen Lasern verwendet: Die Ceratec GmbH aus Kredenbach hat die technische Keramik schon früh als hochleistungsfähigen Werkstoff für sich entdeckt und ist mit den Produkten seit Jahren erfolgreich.
"Es ist eine Marktnische, aber in der haben wir uns einen Ruf erarbeitet" sagt Reiner Engelhard, der mit Joachim Horbrügger das "mitarbeitende Geschäftsführer-Duo" bildet.
In Engelhards Garage wurde das Unternehmen vor 16 Jahren gegründet. Vorausgegangen waren intensiv! Recherchen nach einem möglichst innovativen und zukunftsträchtigen Produkt, mit dem Engelhard und Horbrügger den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollten. Das Duo hatte sich bei der Arbeit in einem Stahlkonzern kennen gelernt. "Wir waren beide risikofreudig und wollten etwas Eigene machen", so Horbrügger. Die Produktsuche führte die beiden Jungunternehmer - wie so häufig - in die USA. Im kalifornischen Silicon Valley trafen die zwei einen gebürtigen Netphener, der sie mit der technischen Keramik, deren Herstellungsverfahren und Einsatzfeldern bekannt machte. Das Produkt war also gefunden. Die Umsetzung der eigenen Unternehmensidee in der "Engelhard & Horbrügger GbR" begann.
"Zu dieser Zeit haben wir viel gelesen und uns mit Literatur und Fachzeitschriften über die technischen Entwicklungen informiert' erinnert sich Engelhard.
Den Existenzgründern wurde schnell klar, dass ihre Marktchancen gut standen, weil das Potenzial des hochwertigen Werkstoffs in Deutschland nicht einmal annähernd ausgeschöpft war.
Dem "Learning" folgte bei den zwei Autodidakten das "Doing". In der Garage von Reiner Engelhard in Unglinghausen wurden die ersten Maschinen zur Bearbeitung der technischen Keramik aufgebaut. Dann hieß es probieren, basteln und schließlich produzieren.
Und das Duo hatte sich auf die richtige Marktnische konzentriert.
"Die technische Keramik hielt in der Industrie mehr und mehr Einzug, ein kontinuierliches Wachstum fand statt", schildert Engelhard die frühen 90er Jahre. Damals gewann der Werkstoff vor allem im Maschinen- und Vorrichtungsbau, in der Automobilindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik mehr und mehr an Bedeutung.
Branchen, aus denen bis heute die Kunden des Kredenbacher Unternehmens stammen. Für sie produziert die Firma mit speziellen Schleif-, Bohr- und Formgebungsmaschinen, aber auch CNC-Bearbeitungszentren die passenden Keramikelemente - je nach Anforderung in Zentimeter- und Millimetergröße.
"Eine Nische, aber ein großes Einsatzspektrum", erklärt Engelhard. Aus der GbR wurde die Ceratec GmbH und nach nur drei Jahren hatten sich die Anfangsinvestitionen amortisiert.
Mit dem Markt für technische Keramik wuchs auch die Kredenbacher Firma und etablierte sich in der Branche. Know-how, hochwertige Technik und die Fähigkeit, schnell und flexibel auf den Markt zu reagieren, spielen dabei nach wie vor eine besondere Rolle. So bietet Ceratec den Kunden ständig spezifische Lösungen an. "Es passiert regelmäßig, dass Entwicklungsingenieure von Kunden anrufen, am Telefon ausführlich ihr Problem schildern und abschließend fragen: "Können Sie sich vorstellen, so etwas zu machen?", erläutert Horbrügger die fast schon typische Anbahnung eines Auftrags. "Im Prinzip schon", lautet dann meistens die Antwort aus Kredenbach.
In der überschaubaren Branche - laut Engelhard sind es nur eine "Hand voll Unternehmen in Deutschland" - ist Ceratec bekannt für umgehende Lösungen zu ungewöhnlichen Problemen. "Wir haben das nötige Know-how und einen entsprechend umfangreichen und technologisch hochwertigen Maschinenpark, um Individuallosungen anbieten zu können", erklärt Horbrügger. "Beratung, Engineering, Prototyping und anschließende Serienfertigung, kommen aus einem Guss."
"Seit 1996 sei das Unternehmen in Kredenbach ansässig. Damals zog die Firma aus der Garage auf eine 400 Quadratmeter große Produktionsfläche in das Kreuztaler Industrie- und Gewerbegebiet Ferndorftal. Doch selbst diese Halle wurde vergangenes Jahr zu klein und musste um noch einmal 800 Quadratmeter erweitert werden.
"Wenn uns 1996 jemand gesagt hätte, dass der Platz schon sieben Jahre später nicht mehr ausreicht, hätte ich ihn für verrückt erklärt", meint Reiner Engelhard.
Inzwischen hat Ceratec 16 Mitarbeiter und ist, trotz eines Umsatzes von 1,5 Millionen Euro, "auch nach 16 Jahren immer noch nicht ganz über den Berg", sagt der Unternehmer vorsichtig. Er blickt aber, trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage, keineswegs pessimistisch in Gegenwart und Zukunft. Schließlich genießt der Betrieb den Vorteil, mit Kunden in zahlreichen europäischen Ländern und den USA zusammenzuarbeiten, die aus verschiedenen Branchen kommen. "Wenn es der einen Branche mal schlechter geht, läuft es in einer anderen gerade besser."
Und für Ceratec wird es auch zukünftig wichtig sein, ständig über den Tellerrand zu schauen. Hier wird stetig geforscht und weiterentwickelt. Längst hat sich der Werkstoff Keramik im Alltag etabliert - zum Beispiel im Airbagzünder oder als Keramikbremse in Fahrzeugen. Vergessen werden dürfen natürlich auch nicht die Dichtscheiben in Wasserarmaturen, die Keramikanteile in verschleißfreien Hüftgelenken oder in Endoskop-Spitzen von Chirurgen. "Manchmal", lächelt Joachim Horbrügger, "wissen wir selbst nicht, wo unsere Produkte letztendlich zum Einsatz kommen."